Auf Ihrem Tisch liegt eine Klageschrift mit 1.000 Seiten. Die Gegenseite hat sie vermutlich mit einer KI erzeugt, in Minuten. Aus Zivilgerichten hören wir, dass seit einiger Zeit viele solche Klagen hereinkommen, darunter immer wieder Schriftsätze mit rund 1.000 Seiten. Eine KI schreibt so einen Text mit einem Klick. Lesen muss ihn ein Mensch.
Was 1.000 Seiten kosten
Wer jede Seite gründlich liest, braucht dafür mehrere Arbeitstage. In dieser Zeit läuft die Frist weiter, und die anderen Akten warten.
Dazu kommt die Ermüdung. Eine KI-geschriebene Klage kann dasselbe Argument mehrfach bringen, in neuer Formulierung auf Seite 80 und wieder auf Seite 620. Wer stundenlang Wiederholungen liest, überliest leicht die eine Stelle, die wirklich neu ist.
Warum der naheliegende Weg nicht geht
Naheliegend ist, die Klageschrift mit KI zusammenzufassen. Jede starke KI Ihrer Wahl, etwa ChatGPT, Claude, Gemini oder jedes andere Modell, ordnet so einen Text in Minuten. Sie trennt Begehren und Argumente und findet Widersprüche.
Das Problem ist der Text selbst. Er enthält Namen, Anschriften, Kontonummern und Beträge der Parteien. Wer ihn so in eine Cloud-KI gibt, gibt diese Daten weiter.
Damit bleiben scheinbar nur zwei Möglichkeiten: alles selbst lesen und die Zeit verlieren, oder den Akt mit den echten Namen hinausgeben. Es gibt eine dritte. Doch stellen Sie sich zuerst vor, was dann möglich wäre.
Was Sie von der KI bekommen könnten
Stellen Sie sich vor, Sie könnten der KI die ganze Klage geben und einfach verlangen, was Sie brauchen:
- •Parteien: wer klagt, wer beklagt ist, wer sonst vorkommt.
- •Begehren: was genau verlangt wird, mit Betrag und Datum.
- •Sachverhalt: was wann geschah, in zeitlicher Reihenfolge.
- •Argumente: jedes in einem Satz.
- •Beweisanbote: welche Urkunden und Zeugen genannt werden, für welche Behauptung.
- •Wiederholungen: wo die Klage dasselbe mehrfach sagt.
- •Widersprüche: wo sich die Klage selbst widerspricht.
- •Seitenangaben: zu jedem Punkt die Seite, auf der er steht.
Statt 1.000 Seiten von vorn zu lesen, hätten Sie nach wenigen Minuten die ganze Klage auf einen Blick und wüssten, wo Sie genau lesen müssen. Bisher geht das nicht, weil Sie die Daten der Parteien schützen müssen. Sind Namen, Anschriften und Beträge aber ersetzt, bevor der Text das Haus verlässt, können Sie all das verlangen.
Die Seitenangaben sind dabei der wichtigste Punkt. Eine KI kann sich irren. Mit der Seite schlagen Sie jede Aussage sofort im Original nach, statt sie in 1.000 Seiten zu suchen. Und wiederholt sich die Klage, sehen Sie alle Stellen auf einen Blick und lesen jede nur einmal.
